Zeche Zollverein in Essen

04.11.2019 - Zollverein-2

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Exkursion zur Zeche Zollverein am 30. Oktober 2019:
"Koks ist bei uns im Ruhrgebiet nicht weiß, sondern schwarz." Einen gelungeneren Einstieg konnte es für den Siegburger Geschichtsverein, der am Mittwoch mit 36 Interessierten zum Weltkulturerbe Zeche Zollverein nach Essen tourte, nicht geben. In klartextender Hemdsärmeligkeit, die den Menschen zwischen Duisburg und Dortmund charakterisiert, führten zwei Originale aus dem Pott über die Anlage. Der Koksspruch ging auf das Konto des einen.

Die Zeche, gegründet schon 1847 vom Kaufmann Haniel und nach dem deutschen Zollverein von 1834 benannt, verfügt über weit verzweigte Unterweltgänge, die sich bis in 900 Metern Tiefe erstrecken. In einem über die Jahrzehnte ausgeklügelten System brauchte der dem Tageslicht entgegenstrebende Brennstoff nur 42 Minuten, bis er auf dem Eisenbahnwaggon zur Kokerei rollte. Bei der Aufbereitung ging es auf dem Band hoch und runter, Siebe und Wellenbäder waren am Werk, um die Spreu vom Weizen (also die Kohle vom Stein) zu lösen.

1986 war Schicht im Schacht, 1993 wurde auch die Kokerei auf dem Gelände aufgeben. Wenn man genau hinsieht, bemerkt man, dass sich am Fördergerüst von Schacht XII noch ganz langsam die Räder drehen. Schuld sind Ewigkeitskosten des Bergbaus, ständig saugen Pumpen schädliches Grubenwasser ab, Heerscharen von kontrollierenden Ingenieuren fahren hoch und runter.

Vom Dach der Kohlenwäsche sieht man die katholische Pfarrkirche in Essen-Stoppenberg, die im letzten Jahrhundert sage und schreibe zwölf Meter nach unten rutschte. Bergsenkung nennt das der Fachmann. Stahlklammern halten zusammen, was dem Hl. Nikolaus geweiht.

Vom Freiluftausguck schweift der Blick weit über das Land, dessen Berge sich die Bewohner selbst schufen. Doch halt, hinter dieser Halde, ist das nicht die Veltins-Arena der Königsblauen? Die Mundwinkel des sonst fröhlichen Guides schwingen schlagartig gen Südpol - falsches Stichwort aus der Gruppe. Der Essener Bergbauerklärer hat für die Schalker Kicker, die selbst so gern als Kumpel daherkommen, nicht viel übrig: "Da hat sich irgendein Fußballverein eine Halle gebaut. Und dann sind die noch so blöd und müssen zu jedem Spiel den Rasen erst reinfahren."

Das Foto machte Jürgen Spengler.

Haus Schlesien mit Wanderung im Siebengebirge

28.09.209 - Haus-Schlesien-breit

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28.09.2019 - Weilberg-breit

Bild vergrößern Weilberg  

Exkursion zum Haus Schlesien und Wanderung nach Oberdollendorf am 25. September 2019:
Der Geschichts- und Altertumsverein unterwegs in doppelter Mission im Siebengebirge. Am Mittwoch ging es erst ins Haus Schlesien, dann, nach Stärkung in der Rübezahlstube, von Heisterbacherrott wandernd hinab nach Oberdollendorf.

Beginnen wir in dem Haus, das der schlesischen Kultur seit vier Jahrzehnten eine Heimat bietet (Foto links). Man trifft hier auf das Bunzlauer Pfauenaugenporzellandekors, das nach 1945 als "deutsch" verpönt war, ehe spätere polnische Töpfer-Generationen die mit dem Schwämmchen aufgebrachten Motive wiederentdeckten. Die Gruppe - größtenteils ohne Fluchterfahrung, also mit westdeutsch-rheinischen Wurzeln - erfuhr, das Flucht und Vertreibung fein säuberlich voneinander zu trennen sind.

Flucht beinhaltete unter Umständen eine längere Vorbereitungszeit und höhere Kapazität an mitgeführtem Hausstand, während Vertreibung, von oben angeordnet, zumeist bedeutete: In 24 Stunden abmarschbereit am Sammelpunkt, 20 Kilo Gepäck pro Person sind erlaubt. Hart traf es die Bewohner der Großstädte wie Breslau, denen die landwirtschaftlichen Zugtiere beim Treck gen Westen fehlten.

Die landsmannschaftlichen Organisationen, in den 1980er Jahren regelmäßig im Königswinterer Ortsteil zu Besuch, kommen heute seltener, alte Schlesier sind dennoch häufig da. Ihnen stellen die Museumsführer gern die Gretchenfrage: Was ist Heimat? Der Dichter und Dramatiker Gerhard Hauptmann? Die Erinnerung an die oberschlesische Bergbaukultur und die wunderbaren Sagen des Riesengebirges? Natürlich auch, in erster Linie ist es aber der Geschmack des "Schlesischen Himmelreichs" zum Hauptgang und des Mohnkuchens zum Dessert. Essen und Trinken als maßgeblicher Identifikationsfaktor.

Weiter zum zweiten Teil der Tour des GAV, der Wanderung ins Fachwerk-Weinörtchen Oberdollendorf. Am Weilberg kann man exemplarisch sehen, wie der Vulkanismus das Mittelgebirge prägte (Foto rechts). Erkaltete Lava hinterließ Basaltsäulen, die schon die Römer ausbeuteten. Weiterhin passierten die 30 Ausflügler die prächtige Parkanlage rund um die Klosterruine Heisterbach. Die Kirche der Zisterzienser gehörte einst zu den größten Sakralbauten des Hochmittelalters. Im Zuge der Säkularisierung trug man sie ab und schuf so ein Aushängeschild der Romantik. Lohnend ist der Rundgang entlang des weitläufigen Friedhofs.

Lesung in der JVA

01.09.2019 - Lesung-Gefängnis

Bild vergrößern Lesung im Gefängnis  

Die Justizvollzugsanstalt Siegburg hatte am Freitag, 23. August 2019, den Geschichts- und Altertumsverein für Siegburg und den Rhein-Sieg-Kreis zu Gast.

Rund fünfundzwanzig Vereinsmitglieder lauschten in der Kirche von Haus 2 einer Lesung des Geschäftsführenden Vorsitzenden des Geschichtsvereins, Jan-Eberhardt Gerull, zum Thema "Post aus der Dunkelkammer". Hierbei handelte es sich um Briefe, die Erich Sander zwischen 1935 und 1944 aus dem Siegburger Zuchthaus schmuggelte. Diese Briefe geben einen tiefen Einblick in das Leben und Sterben der - hauptsächlich politischen - Häftlinge in Siegburg.

Aufgrund seiner fotografischen Kenntnisse wird Erich Sander zum "Kriminalbiologischen Dienst" im Zuchthaus Siegburg herangezogen. Er fertigt im offiziellen Auftrag Porträts von den Insassen an, entwickelt sie vor Ort in der Dunkelkammer. Hier ist er ungestört. Für viele Briefe nutzt er Geheimtinte, die zuvor umseitig mit unverfänglichen Texten versehen hat. Sein Wissen bezieht er aus der Arbeit für die Firma seines Vaters, dem bekannten Fotografen August Sander. Einige der Aufnahmen schaffte er mit Hilfe seines konspirativen Netzwerks, zu dem auch der evangelische Anstaltsgeistliche Johann Hennicke zählt, aus den Mauern.

Erhalten sind auch einige Aufnahmen, die er zu einem spätern Haftzeitraum mit einer eingeschmuggelten Kamera machen konnte. In den neun Jahren seiner Inhaftierung schickten sich Sander und seine Familie rund 170 Briefe und Postkarten. Ein so umfangreiches, noch dazu historisch ausgesprochen aufschlussreiches Konvolut an Texten und Bildern aus einem Zuchthaus in der NS-Zeit ist nach Meinung von Historikern einmalig. Als Quelle für die Lesung diente das Buch "Erich Sander - Gefängnisbriefe 1935-1944", herausgegeben vom NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln und der SK Stifung Kultur, bearbeitet von Dr. Ulrich Eumann.

Nach der gut anderthalbstündigen Lesung verließen die Teilnehmer der Lesung mit zum Teil gemischten Gefühlen die Justizvollzugsanstalt Siegburg.

Text und Foto: JVA Siegburg. Mehr unter www.jva-siegburg.nrw.de

Im Wendekreis des Bombers

01.07.2019 - Fußballmuseum-breit

Fußballmuseum Dortmund am 30. Juni 2019

Mit 26-köpfiger Mannschaft lief der Geschichts- und Altertumsverein gestern bei klimaanlagengekühlten 20 Grad, also besten inneren Bedingungen, im Deutschen Fußballmuseum Dortmund auf.

Unter kompetentem Coaching erkundeten die Siegburger das Haus. Die vorweggehende Mitarbeiterin hat an der Kölner SpoHo studiert, trägt den Geißbock auf der Seele, kennt Ex-Nationalspielerinnen und deren Porzellan-Service persönlich und kritisierte zu Beginn der unterhaltsamen Besichtigungspartie Bundestrainerin Voß-Tecklenburg für das Taktikversagen im WM-Spiel gegen Schweden.

Die museale Leitfrage stellt Küken Leroy Sané im 3D-Kino: "Wie wird man Weltmeister?" Ein wahrlich komplexes Themenfeld.

Antworten und Ratschläge kommen von obersten Stellen. Jogi ergreift das Wort, spricht in dialektgefärbtem Fußballerdeutsch von "Högschder Fokussierung" und dem Erfolg in Knackspielen. 2014 in Brasilien war's die Achtelfinal-Zitterei gegen Algerien, ein Spiel, das Manuel Neuer, in einem kaum zu vermeidenden Anflug von altbackener Deutschtümelei "Siegfried" genannt, im Alleingang entschied. Überlebensgroß wird sein rabiat-riskantes Herauslaufen gegen die Nordafrikaner im 360-Grad-Screen eingeblendet.

Paul Breitner ("Coole Frisur, Leroy, die hatte ich früher auch") erklärt, dass man diese entscheidenden Matches in einem Turnier auch verlieren darf. 1974 schreckte die DDR durch das Sparwassertor die bis dato selbstzufriedenen BRD-Kicker auf. "Danach waren wir wach und haben gewonnen." Die Sekunden vor Gerd Müllers 2:1 sind auf zwei Dutzend Fotos in einem Rondell von anderthalb Metern Durchmesser zu sehen. Der Radius entspricht dem Wendekreis, den der Bomber der Nation für den Ewigkeitstreffer beschrieb. Heute weiß er nichts mehr davon, ist schwer an Alzheimer erkrankt und lebt im Pflegeheim.

Was das Museum natürlich bietet, ist die Ikonographie des Königs unter den Sportarten: Uwe Seeler mit hängendem Kopf, der Ambodenzerstörteste der Fußballhistorie nach dem "Wembley-Tor" und den Folgen. Günter Netzer lässig mit Sportkarre. Dann die Weltmeister von 1954, deren Körperhaltung bei der Nationalhymne die Kriegserfahrung spiegelt.

Wussten sie, dass "Dem Fritz soi Weddä", wie es auf Pfälzisch hieß, als es zu regnen begann, darauf zurückgeht, dass der Anführer der Premierenweltmeister sich im Krieg mit Malaria infiziert hatte, bei Hitze nur einen Teil seines Könnens abrief und erst bei seiner Lieblingswitterung Weltklasse war?

Am Ende weiß Leroy, wie er ihn hinbekommt, den ganz großen Wurf. Sorry: den ganz großen Schuss. In der Schatzkammer, die Kopien der Trophäen aus WMs und EMs bewahrt, ist zufälligerweise noch das ein oder andere Plätzchen frei.

Michaelsberg und Tuchdrucke im Siegburger Stadtmuseum am 15. Mai 2019:

16.05.2018 - Michaelsberg-breit

Bild vergrößern Besuch am Michaelsberg  

18.05.2019 - Tuchdruck

Bild vergrößern In der Tuchdruck-Ausstellung  

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute und das Neue liegt so nah. Der Geschichtsverein für Siegburg und den Rhein-Sieg-Kreis auf Exkursion im Herzen Siegburgs. In einer Kombination standen am sonnigen Mittwoch die Umsetzungen des Michaelsbergkonzepts und die im Museum ausgestellten Tücher auf dem Programm.

Planungsamtsleiter Stephan Marks führte in 75 Minuten über den Berg und erläuterte, wie durch das regelmäßige Stutzen der just angepflanzten Hainbuchen und Eichen ein "Niederwald" entsteht, was einen Mitgeher zu dem Bonmot verleitete, bei der Abtei könne man fortan vom "Niederwalddenkmal 2.0" sprechen.

Marks wies auf die weiße Schicht auf dem Stamm der Linden hin, eine Art Creme gegen zu erwartende Supersommersonnenstrahlen.

Am Osthang stoppte der Tross am verstärkten Stützbauwerk. Bis vor kurzem war's eine "Soda-Mauer", einfach so da, ohne Fundament und dem Umsturz zugeneigt. Sie rief nach sichernden Arbeitsschritten, die der Fachmann mit dem Vokabular "kraftbündiger Verschluss" und "Lanzen-Verankerung" bezeichnet. Beruhigendes Zwischenfazit von Marks, der Siegburgs Wahrzeichen seit acht Jahren intensiv beplant: "Nie war der Berg stabiler als heute."

Und nie besser erschlossen. Die Wege laden ein zur Promenade, attraktive Holzbänke zum Verweilen bei einem Picknickhappen. Die durchgehend beleuchtete Kreisverbindung am Fuß des grünen Hügels ist um 11 Uhr vormittags stark frequentiert. Jogger ziehen ihre Bahnen. 1.200 Meter misst das weite Rund.

Nach Stippvisiten am Hexenturm und an der Seufzerallee, denen die Romantik den Namen gab, sowie Vogelperspektivblick in den deutlich erkennbaren Terrassengarten Maximilian Jacobis beschlossen die Ausflügler auf der Dachterrasse des Katholisch-Sozialen Instituts ihre Tour. Von hier kann man bis Bonn und Wachtberg blicken, dem Zuhause einiger Exkursionsteilnehmer. Sie hatten schon vom "neuen" Michaelsberg gehört, ihn bis dato aber noch nicht in Augenschein - geschweige denn unter die Wanderschuhe - genommen. Dem Wandern soll denn auch der Schluss gehören. "Das war Wissensvermittlung, die erwandert wurde", resümierte ein Geschichtsvereinsmitglied wissenssatt.

Tuchdruck-Ausstellung im Museum

Überraschung beim anschließenden Besuch der Tuchdruck-Ausstellung - viele Exponate stammen aus der Fabrikation des Siegwerk-Vorgängers Rolffs & Cie. - im Stadtmuseum. Exkursionsteilnehmer Bruno Deipenbrock zog ein Taschentuch aus dem Ersten Weltkrieg hervor. Der in Halle an der Saale bedruckte Stoff zeigt den westlichen Kriegsschauplatz. Wurde das Tuch eventuell an der Front benutzt? Braune Flecken könnten von Motoröl oder von Blut herrühren.

Ausstellungsmacher Dirk Ziesing, auf dem Foto rechts, war jedenfalls angetan von dem Deipenbrockschen Erbstück. Alles rund um die Tuchdrucke, die zugehörige Tagung und das Museumsgespräch, in der Rubrik "Veranstaltungen/Tuchdrucktagung".

"Kanzlerbesuch" in Rhöndorf und Unkel am 20. März 2019:

25.03.2019 - Adenauerhaus

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25.03.2019 - Willy-Brandt-Forum

Bild vergrößern Willy-Brandt-Forum  

"Der Mensch muss weiter streben, ständig und unermüdlich." In anderen Worten: Nicht hängen lassen! Der Satz aus der Weihnachtsansprache 1956 wölbt sich wie ein Dach über dem Werdegang von Konrad Adenauer. Der Geschichts- und Altertumsverein begab sich nach Rhöndorf, wo der Kölner Oberbürgermeister - er war nach einigem Verhandlungserfolg das bestbezahlte Stadtoberhaupt Deutschlands - und erste Nachkriegskanzler sein letztes Lebensdrittel verbrachte.

Sich strebend bemühen, das tat Adenauer. Beigeordneter, Bürgermeister, Familienvater, Häusle- und Autobahnbauer, Notbrot- und Stopf-Ei-mit-Beleuchtung-Erfinder, Ford-Ansiedler, Uni-Wiedereröffner, später dann Kriegsgefangenen-Heimholer, erster Westintegrationsbeauftragter. Die lange Liste seiner Erfolge dokumentiert das Besucherzentrum im idyllischen Bad Honnefer Stadtteil.

Die dunklen Jahre fehlen nicht. Tod der ersten Frau Emma im Weltkriegsjahr 1916, Ausweisung und Verhaftung in der Nazizeit. Viermal Deutschland erlebte der Mann mit den markanten Wangenknochen zwischen 1876 und 1967 und suchte sich wahrscheinlich genau deshalb das sonnig-stille Refugium über dem Rhein als Kraftort aus.

Die Geschichtsvereinsmitglieder flanierten zwischen 1.500 Rosenstöcken und der Bocciabahn mit Flutlicht, blieben stehen an der Gartenstatue, die Adenauer und Charles de Gaulle in vertrauter Zweisamkeit zeigt und der Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland ein Denkmal setzt. De Gaulle war der einzige Staatsmann, den Adenauer einließ in sein Haus, in dem der heilige Bonifatius den Flur bewacht, in dem das Kreuz mit Reliquien des heiligen Konrad das Musikzimmer beherrscht. Letzteres ein Geschenk des 1963 gewählten Papstes Paul VI. an den gläubigen Katholiken.

Adenauer besaß keinen Fernseher, aber eine für damalige Verhältnisse topmoderne Stereoanlage. Er bevorzugte Klassik. Dem Wunsch, die Familie möge sich nach seinem Tode regelmäßig im Haus versammeln, kommt die Enkel- und Urenkelgeneration nach. Immer am 26. Dezember ist großes Adenauer-Treffen in Rhöndorf. Man beschenkt sich, singt Weihnachtslieder und gedenkt dem großen Ahnen.

Nun zum anderen Ex-Kanzler, zu Willy Brandt. Wetten, dass Sie ähnlich zu Ihren vier Wänden gekommen sind wie Willy Brandt? Eine Immobilienanzeige im General-Anzeiger führte ihn 1979 nach Unkel, an den "Arm der Welt", wie die Besuchsgruppenleiterin den Mitglieder des Siegburger Geschichtsvereins scherzhaft entgegenwarf, die auf Ihrer "Kanzlerexkursion" nach dem Konrad-Adenauer-Haus im Willy-Brandt-Forum Station machten.

Brandt, das ist der bedeutende Kniefall von Warschau, der gelungene Versuch, mit einer Geste auszudrückend, wozu Worte nicht in der Lage waren. Brandt, das ist genau deshalb der Friedensnobelpreis. Das ist aber auch die lebenslange Rechtfertigung ob seiner Herkunft (uneheliches Kind eines unehelichen Kindes), seines Aliasnamens, seiner Zeit im Exil. Genüsslich kommen den Konservativen die Worte "Dieser Herr Frahm" über die Lippen. Was sich mit heutigen Ohren beinahe bedeutungslos anhört, war immer als Frontalangriff auf seine Person zu verstehen. Und wurde verstanden.

An seinem Bundestagsstuhl, einem zentralen Exponat im Forum, ist die jahrelange Ablehnung seines Parteifreunds, hier Synonym für Intimfeind, Herbert Wehner ablesbar. Die Lehne auf der Wehner abgewandten Seite ist stark abgenutzt, auf sie legte Brandt sein volles Oberkörpergewicht. Die Lehne zum verhassten Fraktionsvorsitzenden hin ist bis auf die Polsterfüllung aufgerissen. Brandts Nervosität entlud sich in fortwährenden Knibbeleien.

Sehenswert die Porträtgalerie im Tresorraum - die Erinnerungsstätte war mal Sparkasse - und das Zeugnis aus dem Johanneum in Lübeck. "Wenn ich Schulklassen führe, sorgen die Noten immer für eine Mischung aus Erleichterung und Amüsement", so die Leiterin des Rundgangs. Bevor die Leserschaft falsche Schlüsse zieht: In historischen Dimensionen denken konnte Brandt schon früh. Die ausgestellte Note in Geschichte ist respektabel.

Fahrt zur neuen Kölner Zentralmoschee in Ehrenfeld und zum Melatenfriedhof am 22.2.2019

06.03.2019 - Moschee-2

Bild vergrößern Kölner Zentralmoschee, Innenansicht  

06.03.2019 - Melatenfriedhof

Bild vergrößern Melatenfriedhof  

Man ist geneigt, von einer für Kölner Verhältnisse geringen Verspätung zu sprechen: 2012 sollte die das repräsentative Gotteshaus der Muslime im Stadtteil Ehrenfeld den Nutzern übergeben werden. Sechs Jahre später war es dann so weit - ohne offizielle Beteiligung der Stadt Köln, mit großem Erdoganstau im gesamten Ballungsraum.

Viele sprechen über die neue Zentralmoschee in Köln, ohne einen Fuß nur in die Nähe gesetzt zu haben. Auch im Siegburger Geschichts- und Altertumsverein (GAV) sorgte der Bau für Gesprächsstoff. Man beschloss sich die Sache anzusehen, 60 Teilnehmer machten die im Vereinsprogramm angebotene Führung mit.

111 Architekten beteiligten sich am Wettbewerb um die Ausführung, den Zuschlag erhielt Paul Böhm, der bis dato im sakralen Bereich ausschließlich Kirchen entworfen hatte. Er entschloss sich zu einer Zweiteilung. Die Teile des Ensembles, die für den religiösen Dienst vorgesehen sind, haben eine schalenartig-runde, dynamische Form. Vorweg die Moschee selbst mit ihrer 36 Meter hohen Kuppel. Die Anlagen, die die Einkaufszeile, die Sozial- und Verwaltungsräume sowie die Bibliothek beherbergen, sind hingegen an ihrer schlichten Kantigkeit zu erkennen. Die Minarette ragen 55 Meter in den Himmel neben dem Colonius. Sie stellen Schreibfedern dar. Die goldenen Ringe erinnern an die Balkone, von denen in muslimisch geprägten Ländern der Muezzin zum Gebet ruft.

Das Freitagsgebet wird von bis zu 1.500 Menschen besucht. 80 Prozent der Betenden sind sunnitisch, neben ihnen knien Alewiten und Schiiten auf dem azurblauen Teppich.
Der Blick in die Moschee. 30 Kalligraphen aus Istanbul schufen den prächtigen Innenraum, die arabischen Schriftzeichen sind der Bildersatz der Muslime. In den Achtecken der Kuppel finden sich auf Arabisch die 99 Namen Gottes: der Liebende, der Strafende, der Gnädige... Auf der Mekka zugewandten Seite die Gebetsnische, rechts im Bild, von der aus der Imam das Gebet leitet. Die Treppe zum erhöhten Standort erklimmt er zu den Predigten am Freitag, an Ramadan und zum Opferfest. Die Predigttexte werden zentral über den Dachverband Ditib an die Gemeinden verteilt, so sei "gewährleistet, dass die Abhandlungen frei von politischen Inhalten sind", wie die islamischen Theologin, die durch die Moschee leitete, gegenüber dem Siegburger Geschichtsverein ausführte.

Die runden Markierungen auf dem Teppich geben den Betenden den Platz vor. Maximal 50 Zentimeter hat jeder Gläubige, das Eng-an-Eng-Gefühl unterstreicht den Gruppencharakter und soll die Spiritualität stärken. Die Geschlechter beten getrennt. Die Männer unten auf dem Teppich, die Frauen auf der Empore. Die Gebetszeiten ergeben sich aus dem Sonnenstand, sie sind unterteilt in einen freiwilligen Part, der eigenständig absolviert wird, und einen obligatorischen Teil. Die Niederwerfung, das Berühren des Bodens mit dem Gesicht, ist eine Demutsgeste, ein "Einstieg in das Gespräch mit Gott", so die Erläuterung.

Nach seiner Exkursionsetappe in der neuen Zentralmoschee steuerte der Siegburger Geschichtsverein den Friedhof an der Aachener Straße an. Einst stand hier eine Leprastation, benachbart eine Hinrichtungsstätte, in der man zu Reformationszeiten die ersten Kölner Protestanten köpfte und verbrannte. Frei nach dem Motto: Kenne mer nit, bruche mer nit. Fott domet. Die Franzosen kamen 1794 und räumten auf. Aus 19 innerstädtischen Friedhöfen machten sie einen großen, eben Melaten. Immer wieder wurde er vergrößert, misst heute 40 Hektar und zählt 54.000 Grabstätten.

Kommen wir zu den V.I.P.s, zunächst zu den Gründern. Ganz unscheinbar, nahe des Haupteinganges, die letzte Ruhe des Friedhofsmäzen und "Erzbürgers", das ist noch mehr als der Ehrenbürger, Ferdinand Franz Wallraf (1748-1824), den wir vom Wallraf-Richartz-Museum kennen. Maria Clementine Martin (1775-1843) ruht auf Melaten, auf die das Rezept für Klosterfrau Melissengeist zurückgeht. Ein XXL-Grab erwarb zu Lebzeiten Friedrich Wilhelm Waffenschmidt (1925-2017), der das Elektronikuniversum Saturn erschuf. Seiner Frau war der Protz auf der "Millionenallee", so heißt die Reihe der Einflussreichen, so gar nicht recht, außerdem mäkelte sie an einer ihr nachempfundenen Grabstatue, die prompt neu angefertigt wurde.

Dirk Bachs (1961-2012) quietschbuntes Grab wird vom ersten Tag an verschönert von Freundin Hella von Sinnen. Nicht ganz so intensiv nehmen sich die Kinder von Willy Millowitsch (1909-1999) dem Ort an, an dem die Erinnerung an den Vater wachgehalten wird. Zu lang der Schatten des Patriarchen.

Können Normalsterbliche auf Melaten begraben werden? Ja, aber nur wenn sie aus Lindenthal oder Braunsfeld stammen oder eine Patenschaft übernehmen, sich um ein historisch bedeutsames Grab kümmern. Ein größeres Feld mit Plätzen für Urnenbestattungen pflegt die Kölner Aidshilfe und hält sie für Kölner bereit, die an den Folgen einer Infizierung mit dem HI-Virus sterben.

Süßes trifft Sehenswertes während der Weihnachtsfeier des Geschichtsvereins am 12.12.2018 auf dem Mittelaltermarkt zu Siegburg

14.12.2018 - geschichtsverein-neu-2

Siegburg. Duales Studium bei der Weihnachtsfeier des Geschichts- und Altertumsvereins: Während der eine Teil der Gruppe im Chapiteau, dem Festzelt auf dem Mittelaltermarkt, die Zunge Baglava und Sesamköstlichkeiten zu Datteltee und Mokka erkunden ließ, ging der andere mit Stadtführer Charly Halft auf Entdeckungstour. Halft führte zurück zu den Siegburger Methusalem-Bauten, zur Pfarrkirche St. Servatius und zum Haus zum Winter, beide um 1200 errichtet. Nach einem Zwischenhalt am Pranger Käx wandte er sich dem Marktgeschehen zu, besuchte mit Anhang den Gewürzhändler, den Drechsler und Schmied. Nach 50 Minuten gab's den fliegenden Wechsel. Die Esser und Trinker starteten zum Rundgang, die Teilnehmer der ersten Führung setzten sich zu den feinen Feigen und den herrlich klebrigen Süßigkeiten des Orients. Dank an den "Mokka-Martin", bürgerlich Martin Rath, für die Bewirtung. Dank an Charly Halft für den Erkenntniszugewinn.

03.12.2018 - ULB-GAV-neu

Exkursion nach Bonn am 29. November 2018

Handschuhe oder nicht? "Das ist eine Glaubensfrage. Ich wasche mir gründlich die Hände und verzichte auf den Schutz meiner Finger."

Handschuhlos holt Daniel Presslmayer den dickleibigen Band aus der gepolsterten Kiste. Eine Interpretation des Lukasevangeliums von Albertus Magnus. Das Buch mit Buchenholzdeckel wurde 1504 gedruckt. Unters T-Shirt stecken, mitnehmen und teuer im Internet anbieten? Schwer bis unmöglich. Videoüberwacht ist diese heilige Halle der Universitäts- und Landesbibliothek zu Bonn, die Ideen des Denkers aus dem Mittelalter lagern im Schutze von Alarm- und Klimaanlage. Dass Bibliotheksmitarbeiter Presslmayer den großen Albert zu Forschungszwecken herausgeholt, geschieht nur selten. Die Texte liegen selbstverständlich handlich-digital vor.

Der Geschichts- und Altertumsverein für Siegburg und den Rhein-Sieg-Kreis war am Donnerstag auf Tour. Das 200-jährige Jubiläum der Bonner Uni zog in die Bibliothek am Rhein, wo manch ein Teilnehmer sich einst in einsamen Stunden an der lateinischen Grammatik oder dem Völkerrecht festbiss. Die derzeitige Ausstellung in der ULB ist eine Reise durch den Kosmos der Erkenntnisse, der nicht nur in der virtuellen Ära unendlich erscheint: Immer waren die Menschen, die hier arbeiteten, gefordert, mit den medientechnischen Entwicklungen ihrer Zeit Schritt zu halten. Das Ausbrennen der im Zweiten Weltkrieg noch im Koblenzer Tor beheimateten Bibliothek wird in der Ausstellung thematisiert, von Überflutungen, von Bestellzetteln per Rohrpost - erklären Sie den Begriff mal der Millenniumsgeneration! -, von den Suchmöglichkeiten Opac und Bonnus ist die Rede. Die Geschichtsvereinstouristen schlichen im Flüsterton von Exponat zu Exponat. Lautstärke ist eine Schwäche in der ULB, die eigentlich immer voll ist. In Prüfungsphasen gehört der erste Nutzerblick der Homepage, wo der Füllegrad einzusehen ist.

Warum der Lernort Bibliothek so anziehend wirkt, erklärt Geisteswissenschaftlerin Lisa Kugele in der 200-Jahr-Festbroschüre: "Ich schreibe an meiner Masterarbeit zum Thema 'Migrationspolitik in Libyen'. Mir hilft das Gefühl, unter Beobachtung zu sein. Das motiviert mich, konzentriert bei der Sache zu bleiben, und verhindert, dass ich mich mit anderen Dingen beschäftige." Die ULB übt als Bändiger der Ablenkungsmacht von Facebook und Instagram eine wertvolle Funktion aus.

Teil zwei des Exkursionstags nach Bonn führte den Geschichts- und Altertumsverein ins Goldfußmuseum in Poppelsdorf, untergebracht im Steinmann-Institut für Geologie und Paläontologie an der Nussallee 8.

Sammlungsleiter Dr. Georg Heumann besitzt die Gabe, die ausgestellten Fossilien durch bunte, anekdotenreiche und dennoch wissenschaftlich fundierte Ausführungen zum Leben zu erwecken. Die Gruppe folgte den Spuren des Ichthyosaurus, von der Decke baumelten die Knochen. Die Fischsaurierer-Weibchen gebaren ihre Kinder lebend, zuvor focht der Nachwuchs erbitterte Kämpfe um die Vorherrschaft im Mutterleib aus. Pränataler Kannibalismus inklusive!

Heumann sprach von Zeiten, in denen Bonn-Tannenbusch am Küstensaum lag, die Eifelhöhen waren unbedeutende Hügelchen nahe des Meeres. Er entführte zur Ausgrabungsstätte in Hennef-Rott und damit zwangsläufig in die Urgeschichtsabteilung unseres Siegburger Museums. Er verglich die Ammoniten bildhaft mit einem U-Boot. Die Kopffüßler bedienten sich der Technik des Anblasens.
Bange Frage am Ende der Führung: Kenntnisse von Gesteinen, Erdzeitaltern und ausgestorbenem Leben gut und schön, aber finden Ihre Studenten auch einen Job? "Und ob", gab Heumann zurück. Ein Absolvent mit exzellenter Schreibe arbeitet jetzt in der Wissenschaftsabteilung der FAZ, andere in Planungs- und Umweltbüros.

Der finale Gedanke des Besuchs galt der Belastbarkeit von Mutter Erde. Schaffen wir als Konsumenten und CO2-Emittenten die Erde ab, uns gleich dazu? Der Paläobiologie Heumann erzählt dazu einen in letzter Instanz gar nicht witzigen Witz: Treffen sich zwei Planeten. Fragt der eine den anderen: "Wie geht's?" "Im Moment nicht gut, ich habe Homo sapiens." "Kenn ich, hatte ich auch schon. Ist nicht schlimm, geht vorbei."

23.10.2018 - Hadamar-2

Bild vergrößern In der hölzernen Garage stiegen die Euthansieopfer aus den "Grauen Bussen".  

(Exkursionsbericht Hadamar vom 17.10.2018)

Wie geht eine Gesellschaft mit ihren schwächeren Gliedern um? Oder, um es in den Worten eines an der Exkursion teilnehmenden Priesters zu sagen: "Wie viel zählt der Mensch als Geschöpf Gottes?"

Nach Hadamar ging die letzte Wissensfahrt des Geschichts- und Altertumsvereins. In der Kleinstadt nahe Limburg erinnert eine Gedenkstätte an die Euthanansieopfer der Nazis. Hier fanden zwischen 1941 bis 1945 15.000 Menschen den Tod. Zunächst geistig Behinderte und psychische Kranke aus Westdeutschland. Die Mordaktion mittels Kohlenmonoxid ist unter dem Kürzel T4 bekannt. Die Leichen verbrannte man im Krematorium.
Später, ab Spätsommer 1941, war das Verbrechen nicht mehr zentral aus Berlin gelenkt, sondern fußte auf der teuflischen Eigeninitiative der Anstaltsleitung. Nun injizierte man auch Dementen, tuberkulosekranken Zwangsarbeitern oder schwer traumatisierten Frontsoldaten tödliche Überdosen.

Trotz aller Vertuschungsmaßnahmen, zu denen ein internes Standesamt in der Mordstätte zum Ausstellen von Todesurkunden oder die Busse mit grau abgeklebten Fenstern gehörten, die verschleiern sollten, dass sie voll hin- und leer zurückrollten, wussten die Leute in der Stadt wohl Bescheid. Dennoch fragten die Bewohner Hadamars lieber nicht, was in der leicht erhöht über der Stadt liegenden Landesheilanstalt geschah. Ein Wegsehen und Weghören wie andernorts im Reich.

Widerspruch ist zwar dokumentiert, er bezog sich jedoch lediglich auf die Tatsache, dass die Asche aus dem Krematorium die zum Trocknen aushängende Wäsche verfärbte. Unfassbar - ebenso wie die niedrigen oder gar ausbleibenden Strafen für die Ärzte nach 1945. Die Mediziner hatten persönlich den Gashahn aufgedreht.
Zurück zur eingangs gestellten Frage. Wie werden Gehandicapte in der Gemeinschaft behandelt? Für die Nazis war die Sache klar: Wer nicht arbeitend dem Volke dient, ist nichts wert, ist eine kostenverursachende "Menschenhülse". In einer Textaufgabe aus dem Matheunterricht im Dritten Reich heißt es: "Der Bau einer Irrenanstalt kostet 6 Millionen Reichsmark. Wie hoch ist die Anzahl von Siedlungshäusern, die man stattdessen errichten kann?"

 

21.09.2018 - Regierungsbunker-neu-2

Sanitätsraum im Regierungsbunker  

Exkursionsbericht Ahrweiler (19.9.2018)

Der Regierungsbunker in Ahrweiler, Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts erstbezogen. Insgesamt 17 Kilometer Stollen unter rheinischem Schiefergebirge, der Ausweichsitz der Bundesregierung für den Fall eines atomaren Schlages im Kalten Krieg, der dadurch zum heißen geworden wäre. Hierhin zog es die Exkursionsgruppe des Geschichts- und Altertumsvereins, eine Zeitreise in die Ära der Machtblöcke, der Szenarien für den Dritten Weltkrieg.

Schon vor Weltkrieg Nummer eins grub man Röhren durch zwei Anhöhen des Ahrgebirges. Es war die Zeit des Wettrüstens, der kaiserlichen Arroganz, des Denkens, man könne erst den Erzfeind Frankreich - daher der Eisenbahntunnel bei Ahrweiler gen Westen - und dann Russland bezwingen. Schlieffen hieß der Stratege, der sich für das Projekt in der Weinregion stark machte. Der Krieg kam vor Beendigung des Großprojektes, später wurden hier Champignons gezüchtet, in der Nazidiktatur ließ das Regime unter Tage die "Wunderwaffe" V2 zusammenschrauben. Von Zwangsarbeitern aus dem KZ, an die heute eine Metallplatte am Bunkereingang erinnert. Springen wir weiter, zum Gegenüber von NATO und Warschauer Pakt, zum Regierungsbunker. 20 Tonnen wiegen die Tore von MAN, die sich im Fall einer Atom-Konfrontation mit der Sowjetunion und ihren Satelliten hinter 3.000 Auserwählten geschlossen hätten. Der Rundgang durch die Dokumentationsstätte die Geschichtsfreunde aus Siegburg frösteln, erinnerte die Herren zum Teil an eigene Bundeswehrerlebnisse: Dekontaminationsduschen, prähistorische Fernschreiber, ein fußpedalbetriebener Zahnarztbohrer.

Alle zwei Jahre übte die NATO die Ernstsituation, die nie eintraf. Sogar ein "Ü-Bundeskanzler" war bei den Manövern dabei, ein Übungsbundeskanzler. Die Frauen der Funktionsträger hätten im Falle X keinen Zutritt gehabt, was bei Präsidentengattin Eva Köhler, die dies bei der Einweihung des Museums 2008 erfuhr, zu einem ganz schmalen Mündchen führte. Bunkerführerin Iris Söller-Münch machte ihre Sache exzellent. Sie geizte nicht mit humoristischen Details in der klaustrophobischen Enge, erwähnte zur Erheiterung den Chor, den einst die Techniker bildeten. Die "Bunkerlerchen" waren Deutschlands geheimster Gesangverein. Top Secret war alles, was im Wald neben den Weinbergen geschah. So wollten es die Dienstanweisungen. Die Realität sah freilich anders aus. Im Ahrtal wusste jeder Bescheid. Die noch besser Informierten saßen in Ost-Berlin. DDR-Spione umkreisten die Anlage im lieblichen Rheinland des Klassenfeindes dauerhaft. Stasiunterlagen halfen später sogar bei der Einrichtung der Dokumentationsstätte, die übrigens nur ein Prozent des einstigen Tunnelsystems umfasst. Den Rest demontierte der Bund ab den späten 1990ern.

 

 

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