23.10.2018 - Hadamar-2

Bild vergrößern In der hölzernen Garage stiegen die Euthansieopfer aus den "Grauen Bussen".  

(Exkursionsbericht Hadamar vom 17.10.2018)

Wie geht eine Gesellschaft mit ihren schwächeren Gliedern um? Oder, um es in den Worten eines an der Exkursion teilnehmenden Priesters zu sagen: "Wie viel zählt der Mensch als Geschöpf Gottes?"

Nach Hadamar ging die letzte Wissensfahrt des Geschichts- und Altertumsvereins. In der Kleinstadt nahe Limburg erinnert eine Gedenkstätte an die Euthanansieopfer der Nazis. Hier fanden zwischen 1941 bis 1945 15.000 Menschen den Tod. Zunächst geistig Behinderte und psychische Kranke aus Westdeutschland. Die Mordaktion mittels Kohlenmonoxid ist unter dem Kürzel T4 bekannt. Die Leichen verbrannte man im Krematorium.
Später, ab Spätsommer 1941, war das Verbrechen nicht mehr zentral aus Berlin gelenkt, sondern fußte auf der teuflischen Eigeninitiative der Anstaltsleitung. Nun injizierte man auch Dementen, tuberkulosekranken Zwangsarbeitern oder schwer traumatisierten Frontsoldaten tödliche Überdosen.

Trotz aller Vertuschungsmaßnahmen, zu denen ein internes Standesamt in der Mordstätte zum Ausstellen von Todesurkunden oder die Busse mit grau abgeklebten Fenstern gehörten, die verschleiern sollten, dass sie voll hin- und leer zurückrollten, wussten die Leute in der Stadt wohl Bescheid. Dennoch fragten die Bewohner Hadamars lieber nicht, was in der leicht erhöht über der Stadt liegenden Landesheilanstalt geschah. Ein Wegsehen und Weghören wie andernorts im Reich.

Widerspruch ist zwar dokumentiert, er bezog sich jedoch lediglich auf die Tatsache, dass die Asche aus dem Krematorium die zum Trocknen aushängende Wäsche verfärbte. Unfassbar - ebenso wie die niedrigen oder gar ausbleibenden Strafen für die Ärzte nach 1945. Die Mediziner hatten persönlich den Gashahn aufgedreht.
Zurück zur eingangs gestellten Frage. Wie werden Gehandicapte in der Gemeinschaft behandelt? Für die Nazis war die Sache klar: Wer nicht arbeitend dem Volke dient, ist nichts wert, ist eine kostenverursachende "Menschenhülse". In einer Textaufgabe aus dem Matheunterricht im Dritten Reich heißt es: "Der Bau einer Irrenanstalt kostet 6 Millionen Reichsmark. Wie hoch ist die Anzahl von Siedlungshäusern, die man stattdessen errichten kann?"

 

21.09.2018 - Regierungsbunker-neu-2

Sanitätsraum im Regierungsbunker  

Exkursionsbericht Ahrweiler (19.9.2018)

Der Regierungsbunker in Ahrweiler, Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts erstbezogen. Insgesamt 17 Kilometer Stollen unter rheinischem Schiefergebirge, der Ausweichsitz der Bundesregierung für den Fall eines atomaren Schlages im Kalten Krieg, der dadurch zum heißen geworden wäre. Hierhin zog es die Exkursionsgruppe des Geschichts- und Altertumsvereins, eine Zeitreise in die Ära der Machtblöcke, der Szenarien für den Dritten Weltkrieg.

Schon vor Weltkrieg Nummer eins grub man Röhren durch zwei Anhöhen des Ahrgebirges. Es war die Zeit des Wettrüstens, der kaiserlichen Arroganz, des Denkens, man könne erst den Erzfeind Frankreich - daher der Eisenbahntunnel bei Ahrweiler gen Westen - und dann Russland bezwingen. Schlieffen hieß der Stratege, der sich für das Projekt in der Weinregion stark machte. Der Krieg kam vor Beendigung des Großprojektes, später wurden hier Champignons gezüchtet, in der Nazidiktatur ließ das Regime unter Tage die "Wunderwaffe" V2 zusammenschrauben. Von Zwangsarbeitern aus dem KZ, an die heute eine Metallplatte am Bunkereingang erinnert. Springen wir weiter, zum Gegenüber von NATO und Warschauer Pakt, zum Regierungsbunker. 20 Tonnen wiegen die Tore von MAN, die sich im Fall einer Atom-Konfrontation mit der Sowjetunion und ihren Satelliten hinter 3.000 Auserwählten geschlossen hätten. Der Rundgang durch die Dokumentationsstätte die Geschichtsfreunde aus Siegburg frösteln, erinnerte die Herren zum Teil an eigene Bundeswehrerlebnisse: Dekontaminationsduschen, prähistorische Fernschreiber, ein fußpedalbetriebener Zahnarztbohrer.

Alle zwei Jahre übte die NATO die Ernstsituation, die nie eintraf. Sogar ein "Ü-Bundeskanzler" war bei den Manövern dabei, ein Übungsbundeskanzler. Die Frauen der Funktionsträger hätten im Falle X keinen Zutritt gehabt, was bei Präsidentengattin Eva Köhler, die dies bei der Einweihung des Museums 2008 erfuhr, zu einem ganz schmalen Mündchen führte. Bunkerführerin Iris Söller-Münch machte ihre Sache exzellent. Sie geizte nicht mit humoristischen Details in der klaustrophobischen Enge, erwähnte zur Erheiterung den Chor, den einst die Techniker bildeten. Die "Bunkerlerchen" waren Deutschlands geheimster Gesangverein. Top Secret war alles, was im Wald neben den Weinbergen geschah. So wollten es die Dienstanweisungen. Die Realität sah freilich anders aus. Im Ahrtal wusste jeder Bescheid. Die noch besser Informierten saßen in Ost-Berlin. DDR-Spione umkreisten die Anlage im lieblichen Rheinland des Klassenfeindes dauerhaft. Stasiunterlagen halfen später sogar bei der Einrichtung der Dokumentationsstätte, die übrigens nur ein Prozent des einstigen Tunnelsystems umfasst. Den Rest demontierte der Bund ab den späten 1990ern.

 

 

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